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Fritz

The War Diaries of Wilhelm Dölken, Husaren-Regiment 15

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The War Diaries of Wilhelm Dölken of Husaren-Regiment 15, Wandsbek. These were published in two parts in the Newsletter of the Regimental Association in Wandsbek during the late 1920s. In two parts, unfortunately, incomplete, as the next part was never published. It is not known where the original diaries remained in later years. Luckily, these two parts were published and give us some idea of what the Husars experienced in the first few months of the war in 1914. German text.

Mein Kriegstagebuch Bundesnachricht Wandsbek Nr. 18 , November 1933

Von Wilhem Dölken, ehem. Vizewachtmeister,

5. Esk. Hus. 15.

 Auf die Bitte des Schriftleiters in der letzten Nummer der Bundesnachricht um Material stelle ich hiermit mein Kriegstagebuch zur Verfügung, und hoffe damit besonders die Patrouillenführer und alle sonstigen Teilnehmer besonderer Unternehmungen der 5. Eskadron anzuspornen, auch ihrerseits die Schriftleitung mit Material zu versorgen, damit unsere Bundesnachricht auf der gleichen Nähe bleibt wie bisher.

   Die Ausarbeitung meines Kriegstagebuchs aus dürftigen Notizen zu einer fortlaufenden Schilderung lag bereits jahrelang in meinem Bücherschrank unbeachtet, als das Erscheinen der vorzüglichen Geschichte unseres schönen Husaren-Regiments von Herrn Major a.D. E. v. Trauwitz-Hellwig mich veranlaßte, meine Arbeit hervorzusuchen und durchzusehen.

   Meine Schilderung, die sich vielfach mit den Darstellungen des Verfassers deckt, soll nichts anderes sein, als eine Zusammenfassung meiner Erlebnisse als Angehöriger der 5. Eskadron. Sie soll lediglich eine Betrachtung sein über die Tätigkeit unseres schönen Regiments, bzw. den Anteil der 5Eskadron an den Kämpfen im Verbande des Regiments aber als detachierte Schwadron bei anderen Truppenteilen aus der Froschperspektive schildern. Sollte ich bei irgend welchen Begebenheiten die Namen von Kameraden vergessen oder nicht genannt haben, so bitte ich, mir das nicht übel zu nehmen, denn es sind mir nicht mehr alle Namen geläufig.

   Alle ehemaligen Kameraden der Eskadron, besonders Herrn Major von Weltzien und Herrn Wachtmeister Warnstedt grüße ich herzlich. gez. Wilhelm Dölken

 

 

   Wir danken dem Herrn Kameraden Dölken für die Niederschrift und MItteilung seiner Kriegserlebnisse und beginnen mit der Veröffentlichung, die wegen Platzmangels in Fortsetzungen erfolgen muß. Der Schriftleiter

Mobilmachung.

   Der Monat Juli 1914 stand unter den Schrecken des entsetzlichen Mordes von Serajewo. Dunkle Wolken ballten sich am politischen Himmel unheilschwanger zusammen, denn das Blut des ermordeten Erzherzogs schrie nach Sühne. Überall wohin man horchte, wurde die Möglichkeit eines kriegerischen Konfliktes der Donaumonarchie mit Serbien in Erwägung gezogen. Drohend erhob das Gespenst des schon viele Jahre vorher prophezeiten Weltkrieges sein Medusenhaupt. Die ganze zivilisierte Welt hielt den Atem an. Unter diesen Verhältnissen trat ich Mitte Juli meinen Sommerurlaub an, dieser sollte für lange Zeit mein letzter Urlaub sein. Sorglos feierte ich am 25. Juli 1914 in meiner rheinischen Heimat noch eine Hochzeit in einer bekannten Familie mit, als abends wie ein Blitz aus heiterem Himmel das Gerücht einer Kriegserklärung Ölsterreich-Ungarns an Serbien in die Feststimmung hineinschlug. Die am Sonntagmorgen erscheinenden Zeitungen brachten die Bestätigung. Wird dieser Akt auch für uns den Krieg bedeuten? Am gleichen Tage nachmittags reiste ich wieder nach Wandsbek ab, nicht ahnend, daß unserem lieben Vaterland der Kampf schon so nahe davorstand, daß wir uns am folgenden Sonntag schon auf der Fahrt an die Grenze befinden sollten. Die nun folgenden Tage bis zur Mobilmachung waren sehr bewegt. Abend für Abend war unsere alte Kaserne von Menschenmassen umlagert. Auf allen Gesichtern stand die stumme Frage: „Geht es los oder nicht.“ Auch uns Husaren beherrschte nur der eine Gedanke - Krieg -. Sollten wir nun eine Prüfung darüber ablegen, was wir in langen Friedenszeiten erlernt, oder schreckt unsere Regierung  vor der furchtbaren Verantwortung, die ein Krieg ihr auferlegen würde, zurück?

   Fieberhaft wurde an die Kriegsbereitschaft gearbeitet. Die Kriegssättel und das neue Lederzeug wurden in Benutzung genommen, und rastlos auf den Kammern bis spät in die Nacht gearbeitet. Die Ausrüstungen für Mann und Pferd wurde in den Woylachs zusammengepackt, und mit Namen versehen aufgestapelt. Jeder Husar hielt bereits Pferd usw. Zugeteilt. Mein Pferd, die Loreley, eine schöne, schwarze Stute, die ich fast den ganzen Feldzug geritten habe, erinnerte mich mit ihrem Namen an meine schöne rheinische Heimat.  Die Spannung wurde noch unerträglicher, bis am Sonnabend, dem 1. August mittags, die Erlösung „Mobil“. Das inhaltreiche und schwere Wort löste die Spannung aller Gemüter. Die Begeisterung flammte auf. Die Hochrufe und vaterländischen Lieder hallten mächtig durch unsere Kaserne, die einem aufgestörten Ameisenhaufen glich. Nun wurde die Kriegsgarnitur empfangen. Im Nu waren die Kammern geleert. Dank der geleisteten Vorarbeit unseres unermüdlichen Kammerunteroffiziers Vizewachtmeister Timm, ging alles wie am Schnürchen. Am gleichen Nachmittag wurden die Degen geschliffen, die neuen Lanzen ausgegeben, Munition und eiserne Portionen empfangen. Auch für mich brachte die Mobilmachung ungeheure Arbeit. Die Kriegsstammrolle mußte angefertigt, Soldbücher ausgeschrieben werden, das Regiment verlangte Aufstellungen über Mannschafts- und Pferdebestand, usw. Dazwischen kamen und gingen die bereits eingetroffenen Reservisten. Abends hatte ich die Freude, noch den Besuch der mir bekannten Familie Evert aus Hamburg zu erhalten, bei der ich mich stets wie zu Hause gefühlt hatte. Um 2 Uhr nachts bekam ich einigen Schlaf, war jedoch um 5 Uhr früh wieder tätig. Der Sonntag wurde mit Packen und allerlei Vorbereitungen ausgefüllt, Abschiedsbriefe an die Lieben wurden noch schnell geschrieben und abgeschickt. Nachmittags fand auf dem Reitplatz der 3. Eskadron ein Feldgottesdienst statt, an dem ich leider nicht teilnehmen konnte. Abends 7 Uhr ging es in den Stall zum Satteln. Während des Sattelns besuchte mich die Familie Evert zum letzten Mal. Um 9 Uhr rückten wir zu unserem Reitplatz. Nach dem Rangieren der Schwadron, hielt unser Chef, Herr Rittmeister v. Weltzien, noch eine kurze zündende Ansprache, die in einem Hurra auf Kaiser und Reich ihren Ausklang fand. Darauf brach die Schwadron zu Vieren ab, und marschierte, von den begeisterten Wandsbekern umringt, unter Gesang zum Bahnhof. Das Winken und Rufen der Bevölkerung wollte kein Ende nehmen, alles hoffte uns Weihnachten wieder begrüßen zu können. Gegen 10 Uhr wurden wir auf dem Wandsbeker Güterbahnhof verladen und fuhren am 3. August, morgens 2 Uhr, Richtung Hamburg ab. Im Laufe des Montags passierten wir die Städte Bremen, Osnabrück, Münster, Wanne, Oberhausen, Hamborn, Homberg, Uerdingen, Krefeld, Eupen. Die Fahrt glich einem Triumpfzuge, stürmisch wurden wir allenthalben von der Bevölkerung begrüßt, und auf den Bahnhöfen mit allem Möglichen bewirtet. In Uerdingen beschossen wir vom Zuge aus den ersten Flieger, der sich bald schleunigst verduftete. Am Abend gegen 10 Uhr langten wir in Aachen an, und wurden hier ausgeladen. Wir marschierten noch in der Nacht bis hart an die belgische Grenze und bezogen in Kullernhof und Valsers Quartier-Unterkunft.

Vormarschgefechte in Belgien

 

   In der Nacht vom 3. auf den 4. August war zwischen Belgien und unserem Vaterland der Kriegszutand eingetreten.

   Gegen 9 Uhr vormittags, am 4. August, versammelte sich die 4. Kavallerie-Division, zu welcher auch unser Regiment gehörte, auf der Staße Aachen-Lüttich und überschritt nach kurzem Marsch im Trabe die belgische Grenze. Die Belgier hatten zu unserer Verwunderung alle Häuser beflaggt. Das war eine sonderbare Begrüßung. Bald bemerkten wir aber die ersten Anzeichen von Feindseligkeiten, denn die prächtigen Chausseebäume wurden gefällt und quer über die Straße gestürzt um unseren Vormarsch zu erschweren. Unsere Pionier-Abteilung hatte eine Unmenge Arbeit, jedenfalls waren sie nicht sehr erfreut davon.

   Am Spätnachmittag stießen wir bei dem Dorfe Visé auf den Feind, welcher uns den Übergang über die Maas verwehren wollte. Wir saßen zum Gefecht zu Fuß ab und griffen sofort an. Als Pferdehalter bestimmt, konnte ich das erste Mal nicht mit.  Es überkam uns alle doch zuerst ein gewisses Kanonenfieber, als es ernsthaft zum Kampfe kam, und die ersten Verwundeten vorübergetragen wurden. Auf die Nachricht vom Gefecht eilten die noch weiter rückwärts befindlichen 7. Jäger, die ebenfalls zu unserer Division gehörten, in Autos zur Hilfe. Während des Kampfes machten sich auch schon belgische Franktireurs bemerkbar. Im Dorfe Visé wurde eine Reihe dieser Freischärler von unseren Leuten erschossen. Am Abend kamen unsere Schützen zurück, ohne Veluste erlitten zu haben.

   Eine vom Sergt. Haars geführte Patrouille unserer 5. Eskadron brachte den ersten Gefangenen, einen belgischen Lancier, ein.

   In den Tagen vom 5. bis 7. August bezogen wir bei dem Dorfe Mouland Biwak, da der Übergang über die Maas bei Visé durch die Festung Lüttich erschwert war.

   Wähend dieser Zeit lernten wir die Schrecken des Franktireurkrieges kennen. Unsere Patrouillen wurden dauernd, wo sie sich sehen ließen, von den Zivilisten beschossen. Natürgemäß war die Erbitterung unserer Soldaten infolge solcher Heimtücke groß.  Das Dorf Mouland ging fast ganz in Flammen auf, besonders solche Häuser wurden schonungslos niedergebrannt, in denen abgeschossener Munition umher lag. Landeseinwohner, die auf frischer Tat ertappt oder im Besitz von Waffen und Munition angetroffen wurden, hatten ihr Leben verwirkt und wurden standrechtlich erschossen. Als ich eines Tages in das Dorf hineinging, sah ich auf einer Wiese Zivilisten eine Grube graben. Einige Zeit später verriet mir eine Salve, daß wieder ein Verbrechen dieser betörten Leute seine Sühne gefunden hatte. Auch eine Hinrichtung durch den Strang sah ich während dieser Tage von ferne. Dieses und manches andere war entschuldbar bei der maßlosen Erbitterung unserer Soldaten über die manchmal bestialischen Ermordungen von Kameraden, an denen sich nicht nur die männliche, sondern auch die weibliche Bevölkerung beteiligte. Die Unsicherheit in den Dörfern und Städten war so groß, daß selbst stärkere Truppenteile angefallen wurden.

   Die Witterung während der Tage, die wir draußen im Freien, auch des Nachts verbringen mußten, war alles wenige als angenehm. Tag und Nacht regnete es mit nur kurzen Unterbrechungen in Strömen, so daß wir keinen trockenen Faden mehr am Leibe hatten. Unser Biwakplatz hatte sich in einen zähen, lehmigen Morast verwandelt, in welchem unsere Pferde bis über die Fesseln versanken, so daß wir unseren Platz wechseln mußten. Des Nachts wurden riesige Wachtfeuer angezündet, an denen wir unere nassen Sachen trockneten. Bei all diesen Unbequemlichkeiten ging unser Humor doch nicht verloren, ein trockener Witz und alles lachte.

   In diesen Tagen ließen sich häufig die Lütticher Forts hören, die uns platzende Grüße sandten, ohne uns jedoch zu schaden. Am Abend des 7. August wurde von der Division mit dem Pontonbrückenbau über die Maas begonnen. Noch in der Nacht wurde die Brücke so weit hergestellt, daß die Division am 8. August früh mit dem Übergang beginnen konnte. Am 9. und 10. August marschierten wir in Richtung Landen. Während der Nächte waren die Lichtsignale des Feindes sehr deutlich wahrzunehmen.

   Durch eine am 10. August nach Landen entsandte stärkere Patrouille unter Vizewachtmeister Haß wurde der Bahnhof überfallen und besetzt, die dort befindliche belgische Wache entwaffnet und gefangen genommen. Durch Zerstörung der Fernsprechanlagen wurde der feindliche Telephonverkehr unterbunden, ebenso wurden die Weichen und Signale unbrauchbar gemacht, und so der Verkehr der noch zahlreichen feindlichen Truppentransporte erfolgreich gehindert. Erst als eine auf der Anfahrt befindliche belgische Truppenabteilung ausstieg und sich auf dem Bahnhof entwickelte, zog sich unsere Patrouille unter Mitnahme der Stationsbücher, welche wertvollen Aufschluß über feindliche Truppentransporte gaben, zurück; sie beobachtete aber Stadt und Bahnhof weiter. Nach Einbruch der Dunkelheit gelang es einigen beherzten Husaren, in die Stadt einzudringen und belgische Zeitungen mitzubringen. Am 11. August marschierte die Division nach St. Trond. Auf einer Aufklärungspatrouille fiel an dem Tage der Leutnant v. Stietencron der 3. Schwadron. Am nächsten Tage stießen wir auf Wildern vor, kehrten jedoch abends wieder nach St. Trond zurück.

Am 13. August rückten wir nach Loos vor und biwakierten dann bei Ulbeck. An den nächsten beiden Tagen gingen wir vor über Hamut über Or le Grand. Die als Aufklärungsschwadron der Division weit voraus eilende 4. Schwadron wurde bei Bonnesse überfallen, und verlor eine Reihe Leute und Pferde. Am 16. August marschierten wir über Hedenge nach Bornal und biwakierten abends bei Jauche, wo wir uns auch am 17. August noch aufhielten. Unser Kommandeur, Herr Major v. Zieten, dankte hier dem Regiment für seine vorzügliche Haltung während der letzten 14 Tage. Noch während der Nacht brachen wir unser Biwak ab und rückten nach Bomal, wo wir in den trüben Morgenstunden eintrafen. Im Laufe des Tages kehrten wir nach Jauche zurück und marschierten wir von hier am 19. August früh über St. Germain nach Petit Leez. Unterwegs trafen wir einen unserer Flieger, welcher von einer Aufklärungsfahrt zurückkehrte und uns an langem Nationalwimpel eine Meldung abwarf. Am 20. August marschierten wir über Gembloux bis Sombresse, und setzten am 21. August unseren Vormarsch fort über MarboisAvelinesQuatre BrasNonquieresHenripont bis Braine le Comte, wo wir Biwak bezogen. Hier erreichte uns jubelnd begrüßt die erste Post aus der Heimat. Auch für mich waren zwei liebe Briefe dabei. Beim Schein einer schwachen Laterne, auf den Knien schreibend, habe ich sie gleich beantwortet. Es war für mich eine herrliche Stunde, in tiefer Stille, rings um mich her die schlafenden Kameraden, heimliche Zwiesprache mit der Heimat zu halten. MIt neuer Kraft im Herzen legte ich mich später zum equickenden kurzen Schlummer nieder, den Sattel wie so oft als Kopfkissen benutzend.

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Mein Kriegstagebuch (2)

 

Von Wilhelm Dölken, ehem. Vizewachtmeister

 

3. Eskadr. Hus. 15 (Fortsetzung)

 

 

   Am 22. August rückte die Division nach Ath, und bezog außerhalb des Dorfes Biwak.  Ich machte den Marsch nicht mit, denn meine Loreley mußte beschlagen werden. Mit einigen Schmieden und anderen Kameraden machte ich mich auf die Suche nach einer Schmiede, die wir außerhalb Braine le Comte bald fanden. Vor der Arbeit stärkten wir uns durch eine gute Portion Rührei. Erst am Spätnachmittag wurden wir fertig und folgten der Schwadron. Die mittlereweile hereingebrochene Dunkelheit erschwerte uns das Suchen sehr. Überall loderten die Wachfeuer, aber die Schwadron bzw. das Regiment war nirgends zu finden. Schließlich kamen wir nach Ath. Nach den Erkündungen, die wir einzogen, sollte die ganze Division außerhalb der Stadt liegen. Trotz allen Suchens war jedoch nichts von meinem Regiment zu entdecken. Weil wir uns nun in der stockfinsteren Nacht nicht verirren wollten, gaben wir das Suchen auf und ritten zum Marktplatz der Stadt, wo eine Autokolonne aufgefahren war. Hier sattelten wir ab und banden unsere Pferde an die Wagen. Ein Posten verschaffte uns von einem Auto mehrere Tränkeimer voll Gerste und Hafer für die hungrigen Tiere. Wir selbst kletterten in einige Personenautos und verbrachten hier auf weichen Polstern die Nacht. Am nächsten Morgen begaben wir uns wieder auf die Straße nach unserem Regiment, fanden aber nur die Bagage vor. Das Regiment war mit der Division über Frasnes lez BuissenalHacquesquies nach Celles gerückt und hatte hier Biwak bezogen.

   Am 24. August rückten wir nach Tournai. Unsere 7. Jäger hatten hier ein Gefecht mit französischer Infanterie, die geschlagen wurde. Vor Tournai bogen wir ab und marschierten über Vaux, Autoigne auf die französische Grenze zu, die wir bei Burlu unter dem begeisterten Gesange: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall“ überschritten. Viele französiche Vewundete längs unserer Marschstraße zeugten von starken Verlusten des Feindes und siegreichen Vorwärtsschreiten des Gefechtes unserer Jäger. Von Burlu aus rückten wir vor bis Orchy und bezogen hier Biwak.

 

 

Vormarschgefechte in Frankreich

 

  Am 25. August setzen wir unseren Vormarsch über Marchinnes-Ville Somain und Bouchain fort. Unterwegs wurde unsere 5. Eskadron und eine Schwadron Husaren-Regiments 16 unter dem Major von Raschewiki abgezweigt, um einen in der linken Flanke sich zeigenden Feind zu vertreiben. Auf einer Entfernung von 1000 Metern erhielten wir wirksames Infanterie-Feuer. Unser Führer faßte den Plan, den noch unsichtbaren Gegner zu attackieren. Die beiden Schwadronen marschierten auf 500 Meter in Eskadronsfront auf und galoppierten an. Nun überschüttete uns der immer noch unsichtbare Feind mit Schnellfeuer, welches jedoch zu hoch lag. Um unnötige Verluste zu vermeiden, das Gelände auch zu viele HIndernisse, insbesondere Drahtumzäunungen, bot, wurde die Attacke abgebrochen. Eine exzerziermäßige Kehrtwendung, und im vollen Lauf ging es einige 100 Meter zurück. Hier wurde wie der Blitz abgesessen, und das Gefecht zu Fuß aufgenommen. In stürmischen Draufgehen warfen wir die feindliche Infanterie aus ihrer Walddecke heraus. Unsere Husaren waren in ihrem Kampfeifer schwer zu halten. Unter Nichtachtung des eigenen Lebens wurde geschossen, knieend, stehend oder liegend, wie es sich gerade machte. Mehrfach mußte Herr Rittmeister von Weltzien, der sich bei uns befand, energisch zum Hinlegen auffordern. Neben mir in der Schützenlinie liegend, schossen wir beide mit meinem Karabiner abwechselnd. Einer beobachtete des anderen Schüsse. Die Franzmänner erlitten schwere Verluste, wie große Blutlachen leuchteten weithin die bekannten roten Hosen. Beim jedesmaligen Zurückweichen des Feindes wurde gestärkt nachgestoßen, hierbei erbeuteten wir in einem das Gefechtsfeld durchschneidenden Hohlweg mehrere Wagen mit Gerät und Lebensmitteln. Mittlerweile wurden wir in der Flanke von herbeieilenden Verstärkungen des Feindes angegriffen. Durch unser stürmisches Vorgehen hatten wir die Flanke entblößt und den Anschluß mit den 16er Husaren verloren, nun hieß es zurückgehen. Bei dem eiligen Vorgehen in bedrückender Hitze war uns fast der Atem ausgegangen, dann hatte sich quälender Durst eingestellt. Beim Zurckgenen rief mir der etwas korpulente Vizewachtmeister Luckstädt zu, ihn mitzunehmen, da er bald nicht mehr konnte. Arm in Arm zogen wir beide los. Zuerst ging’s an einen in der Nähe befindlichen Brunnen, wo wir unseren Riesendurst stillten, und dann zu den Handpferden. Wir waren schon aufgesessen, als bemerkt wurde, daß die Gruppe unter Leutnant Jobst fehlte. Unser Rittmeister rief, „Husaren, unsere Kameraden lassen wir nicht in Stich, abgesessen zum Gefecht zu Fuß.“  Mittlerweile waren die 16er Husaren wieder weiter vorgekommen, und hatten den uns in der Flanke angreifenden Feind abgewiesen, hier sich unsere vermißte Gruppe angeschlossen.  Vereint mit den 16ern nahmen wir nun den Feind noch einmal unter kräftiges Feuer. Nach kurzer Zeit begannen sich die Rothosen langsam zurückzuziehen. Dem abziehenden Feind sandten wir noch einige Kugeln nach, dann sammelten wir uns bei unseren Pferden. Während des Fußgefechtes hatten wir keine Verluste, nur beim Anreiten zur Attacke waren zwei Husaren durch Oberschenkelschüsse leicht verwundet worden.

   Mittlerweile hatte sich der Himmel mit schwarzem Gewitterwolken bezogen, aus denen mit immer kürzerer Unterbrechung flammende Blitze unter rollendem Donner hervorbrachen. Beim Abrücken vom Kampfplatz prasselte ein mächtiger Platzregen hernieder, der uns bis auf die Haut durchnäßte, ehe wir überhaupt daran denken konnten, unsere Mäntel loszuschnallen. Die Stiefel liefen voll Wasser, so daß wir bei dem kurzen Aufenthalt in einem Dorfe das Wasser buchstäblich aus den Stiefeln gießen mußten. Hier wurden wir nochmals alarmiert. Wir besetzten sofort den Dorfrand. Als die anmarschierende Kolonne auf Sehweite herangekommen war, bemerkten wir, daß es Gefangene waren, die von 16er Husaren begleitet wurden. Bald saßen wir wieder zu Pferde und rückten nun nach Villers en Cambies im frohen Gefühl, einen schönen Sieg an unsere Standarte geheftet zu haben. Im genannten Ort wurde für die Nacht Ortsbiwak bezogen. Zum ersten Male seit unserem Ausrücken konnten wir wieder unter Dach und Fach ruhen. Ich erhielt den Auftrag mich zum Befehlsempfang beim Regiment zu melden. Als Schlafplatz wurde mir ein offener Schuppen zugewiesen, worunter ich auf einer Schütte feuchten Strohs halb wachend halb schlafend die Nacht in meinen nassen Kleidern verbrachte.

   Am 26. August rückten wir wieder früh an den Feind, diesmal waren es Engländer, die sich mit uns messen wollten. Der Marsch ging über St. Hilaire les Cambrai nach Quievy. Hier wurden die Schützen herausgezogen. Ich wurde einer Seitenpatrouille zugeteilt, die ein größeres Gehöft halb links von Quievy beobachten sollte. Nach kurzem Ritt erreichten wir eine Höhe, von welcher wir das Gehöft gut beobachten konnten. Mittlerweile hatte sich das Gefecht entwickelt.; mit bloßem Auge konnten wir von unserem Stand aus ganz deutlich in der Ferne die langsam vorgehenden Schützenlinien der Tommys erkennen.

   Nach Verlauf einiger Zeit bemerkten wir auch wie das Gehöft vom Feinde besetzt wurde. Nun hieß es vorsichtig sein, deshalb saßen wir ab, um nicht ein großes Ziel zu bilden. Trotzdem mußten wir den Herren Engländern wohl unbequem sein, denn wir wurden mit einem Male stark beschossen. Im Nu waren wir aufgesessen und weg wie ein Wirbelwind. Um die Tommys zu ärgern, ließen wir uns noch einige Male sehen, um sofort wieder zu verschwinden, wenn er uns beschoß. Das Gefecht hatte inzwischen einen ernsteren Charakter angenommen, die beiderseitige Artillerie duellierte sich mit aller Stärke . Unsere Handpferde, die bisher gedeckt in einem Hohlweg standen, mußten dort weggenommen werden, weil die Engländer mit Schrapnells den Aufenthalt dort unmöglich machten. Da unsere Aufgabe als Seitenpatrouille auch erfüllt war, ritten wir langsam zu den Handpferden zurück. Unterwegs half ich noch einem Kameraden von der 4. Eskadron beim Transport von einigen Gefangenen.

Wir hatten den gefährlichen Weg durch den Hohlweg noch vor uns. Ein fürchtbarer Eisenhagel tobte dauernd über den Hohlweg nieder. Da wir mit unseren Gefangenen Schritt reiten mußten, war es zwischen all den surrenden Eisenstücken alles andere als gemütlich. Ungefähr in der MItte des Weges lag an dem feindwärts gelegenden Abhang der Brigadekommandeur, Herr Oberst v. Prinz mit seinem Stabe. Hier mußten wir in dem Höllenspektakel halten bleiben, weil die Gefangenen noch ausgeforscht wurden. Meinem Kameraden wurde in den Augenblicken, die wie Stunden dauerten, ein Mantelärmel von von einem Sprengstück total zerrissen. Endlich konnten wir abreiten und uns in Sicherheit bringen. Hinter einem Hause, das wunderbarerweise vom Artilleriefeuer verschont blieb, suchte ich mit meinem Pferde Deckung bis zum Einbruch der Dunkelheit. Bis dahin machten wir es uns so gemütlich wie möglich, ein umfangreiches Weinlager im Hause, dessen Versteck wir entdeckt hatten, sorgte für die Stillung unseres Durstes. Wie die Rothosen am Tage vorher, so wurden auch die Tommys geschlagen. Nach beendetem Gefecht rückten wir über Bevillers - Boussieres - Carnieres nach Curoy, wo wir Biwak bezogen. Am nächsten Tag marschierten wir durch Cambrai über Proville Havringcourt Ruyoulcourt und bezogen in Nurlu an der Somme Unterkunft. Am 28. und 29. August ritten wir über Bouchavesnes Flaucourt Sonecourt nach Liboys. Hier fand ein Artilleriegefecht statt, gleichzeitig machten sich französische Alpenjäger bemerkbar, die jedoch abgewiesen wurden. Unser Rittmeister ließ hier einmal die Packtaschen revidieren und sämtliche gefüllten Weinflaschen zertrümmern, was uns aber nicht hinderte, uns im nächsten Dorfe mit allem möglichen Trinkbaren wieder zu versehen. Am 30. August bezogen wir Biwak in Hattencourt. Am nächsten Morgen brachen wir bereits früh um 3 Uhr unser Biwak ab, es galt Freund Tommy wieder eins zu versetzen. Wir marschierten über Condor Lassigny Elincourt Chevincourt nach Tourotte. Nachmittags um 5 Uhr machten wir hier an einem verlassenen Schlosse Napoleons III. eine längere Ruhepause, denn wir hatten tagsüber scharf geritten. Aus einem nahegelegenen Teich tränkten wir unsere Pferde, dann wurde gefüttert. Viele Kameraden, auch die Offiziere, benutzten die seltene Gelegenheit, sich durch ein kühles Bad zu erfrischen, und sich den Schweiß des heißten Marschtages vom Körper zu spülen. Gegen Abend marschierten wir weiter. Während der Nacht durchquerten wir den Wald von Compiegne und waren gegen morgen dem vor uns her ziehenden Engländer derart auf die Fersen gerückt, daß wir ihm eine Anzahl seiner Lastautos, die sich anscheinend verspätet hatten, abnehmen konnten. Von den Bewohnern der Dörfer wurden wir als Engländer bewillkommnet und bewirtet, was uns riesigen Spaß machte. Morgens gegen 6 Uhr kamen wir in St. Martin an Durch Patrouillen war festgestellt worden daß die Engländer, welche von unserem Dasein keine Ahnung hatten, bei Nery Biwak bezogen hätten. Die Gelegenheit zu einem Überfall war also außerordentlich günstig. Nur waren es, wie es sich später herausstellte, drei Biwaks gewesen, sonst wären wir nicht so tollkühn darauf los gegangen. In aller Stille wurden nun die Geschütze und Maschinengewehre in Stellung gebracht und die ruhenden Tommys recht unsanft geweckt. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Herrschaften zur Besinnung kamen und anfingen, Widerstand zu leisten. Schließlich machten sie uns doch arg zu schaffen. Inzwischen wurde unser Regiment zur Attacke befohlen. Die 2., 3. und 1. Eskadron galoppierten bald gestaffelt in breiter Front gegen den noch unsichtbaren Feind. Unsere 5. Eskadron jagte in Zugkolonne hinterher, um da einzugreifen, wo es am nötigsten war. Die Lanzen fest eingesetzt, die Zähne aufeinandergebissen rasten wir vorwärts. Unterwegs wurden wir jedoch angehalten und mußten schleunigst zum Gefecht zu Fuß absitzen, um die gefährdete Artillerie zu unterstützen. Der Feind hatte mittlerweile auf allen Teilen der Front Verstärkungen eingesetzt, gegen welche unsere schwache Division auf die Dauer nicht Stand halten konnte. Die Loslösung vom Feinde ohne Verluste an Material und Mannschaften war nicht mehr durchzuführen, zumal HIlfe von Nachbardivisionen nicht zu erwarten war. Wir mußten schließlich zurück und dem Feinde acht Geschütze, die nicht mehr zurückgeholt werden konnten, überlassen. Selbstverständlich waren diese vorher unbrauchbar gemacht. Eine Reihe Mannschaften, ebenfalls die Verwundeten, gerieten in feindliche Hände. Der Feind drängte energisch nach, wo wir uns hinwandten, verfolgten uns seine schnellen Radfahrerkompagnien; es schien als wären wir vollständig eingeschlossen. Bald erhielten wir Feuer von vorn, bald im Rücken, bald in beiden Flanken. Einmal wurde es doch so arg, daß unsere 5. Schwadron, welche die letzte der Division war, absitzen mußte, um den kecken Feind zu verteiben. Dann meldeten sich auch noch der Hunger und der Durst. Ich selbst hatte am Vorabend bereits mein letztes Stückchen trockenes Brot verzehrt. So zogen wir den lieben langen Tag von Ost nach West und von Süd nach Nord. Endlich brach die Dunkelheit herein. Die Division verteilte sich brigadenweise, um Verstecke in den umliegenden Wäldern zu suchen. Die 18. Kavallerie-Brigade, zu welcher wir gehörten, und die Garde-Maschinengewehr-Abteilung suchten Schutz im Walde östlich von Varon. Schützen wurden am Waldrande zusammengezogen, wo auch die Maschinengewehre in Stellung gebraht waren. Ein Teil der Mannschaften zog auf Posten bei den M.G.s, der andere Teil konnte schlafen. Die Posteninstruktion lautete, auf nichts zu schießen, sondern nur bei Bewegungen des Feindes gegen unser Versteck Alarm zu schlagen. Auf der großen Straße, die einige 100 Meter entfernt am Walde vorbeiging, marschierten während der Nacht dauernd starke feindliche Kolonnen, jedoch ohne uns zu bemerken. Unsere Pferde schienen auch den Ernst der Lage zu kennen, denn kein Wiehern verriet, daß über 1000 Pferde sich im Walde aufhielten. Ich zog am 2. September, morgens

8 Uhr, auf meinen Posten.

 

 

   Noch während des Vormittags wimmelten einige feindliche Patrouillen im Gelände umher. Mein Hunger fing nun an sich kräftig bemerkbar zu machen. Meine Dienstfreien Kameraden waren glücklicher gewesen. Unter dem Federvieh einer Waidwärterhütte, die von ihren Bewohnern verlassen war, hatten sie einen Massenmord angerichtet. Ich versuchte mich nach meiner Ablösung an bitteren Rettichwürzeln, doch wollten diese nicht so recht münden. Eine ZIgarre, die ich des Morgens von einem M.G.-Kameraden erhalten hatte, tat bessere Dienste. Nie hatte mir eine Zigarre vorher besser geschmeckt als diese bei knürrendem Magen.

   Erst gegen Mittag verblieben wir noch in unserem Versteck. Ausgesandte Patrouillen hatten festgestellt, daß die Luft rein war, auch war es gelungen, wieder Verbindung mit einer Nachbardivision herzustellen, die uns schon aufgegeben hatte. Von unserem Versteck aus marschierten wir nach Droisells, wo wir Biwak bezogen. Nachdem die Pferde versorgt waren, konnten auch wir daran gehen, etwas gegen unseren Riesenhunger zu unternehmen. Kartoffeln und Bohnen gab es genug in den Gärten. Ich bereitete mir ein Schneidebohnengericht, das, wenn ich mir auch das Fleisch dazu denken mußte, herrlich mundete. Bei der allgemeinen Kocherei gab es Zwischenfälle. Sergeant Fischer hatte ein Hühnchen gerüpft und kochte dieses zusammen mit Kartoffeln über zwei Lanzen, die den Rost bildeten. Als nun die ganze Geschichte beinahe fertig war, und der Sergeant Fischer bereits im Vorgenuß seiner leckeren Mahles ein recht freundliches Gesicht machte, nahte das Verhängnis. Ein Husar, wer, weiß ich nicht mehr, der seine Augen irgendwohin spazieren gehen ließ, und nicht auf den Weg achtete, stieß an den behelfsmäßigen Rost. Die Folge war, daß der Kessel umstürtzte und die schöne Bouillon verloren ging. Das Poltern und Schelten des so unglücklich um seine leckere Suppe Betrogenen brachte ihm zu seinem Schaden auch noch den Spott der Unbeteiligten ein. Nachdem mit vieler Mühe eine wesentlich dünnere Fleischbrühe gekocht war, wurde der Kessel nochmals umgestossen. Um weitere derartige Unglücksfälle zu vermeiden und auch der Magen ein Ultimatum geteilt hatte, nahm Sergeant Fischer den verbliebenen Rest schleunigst intus.

   Zwei Tage konnten wir uns in Droiselles von den Strapazen der vorhergehenden Tage erholen, dann ging es weiter. In Droiselles traf ich den ersten Bekannten aus der Jugendzeit, einen Schulkameraden, der als Kraftfahrer bei der K.K.K.1 diente. (Kgl.Kraftfahr-Kolonne 1)

   Am 5. September marschierten wir nach Silly le Long und kamen hier wieder in enge Fühlung mit dem Feinde. Von einer Vedette zurückgekehrt fiel mir ein, daß ich mein Anhängsel, die Bürokiste nicht selbst auf den Packwagen gesetzt hatte. War die Kiste nun mitgekommen oder nicht? Also zurück und nachgesehen: An der Straße, wo ich sie zuletzt gebraucht hatte, war die Kiste nicht mehr, also konnte ich mit Sicherheit annehmen, daß die Bagage, welche später abgerückt war, sie mitgenommen hatte. Nun mußte ich die Truppe suchen, auch nicht so leicht. Ich fand das Regiment natürlich nicht mehr vor, dafür aber unsere Bagage. Zu meiner Freude entdeckte ich auf dem Packwagen meine Kiste, damit war ein schwerer Stein von mir genommen.

   Der 6. September verging unter andauernden Kämpfen. Die Schlacht an der Marne tobte noch mit unverminderter Heftigkeit. Am Abend spät bezogen wir auf mehreren Hügeln Biwak. Am folgenden Morgen wurden wir bereits früh unsanft aus dem Schlaf geweckt. Die Franzosen hatten uns entdeckt und beschossen uns mit Artillerie. Nun hieß es schleunigst das Biwak abbrechen, denn immer näher kamen die Granaten. Die Sprengstücke heulten uns schon um die Ohren als wir aufbrachen. Nun ging es zurück, die ungünstige Wendung der Marneschlacht hatte auch unsren ununterbrochenen Siegeslauf gehemmt. Während des Zurückgehens am 7. September saßen uns die Granaten des Franzmannes andauernd auf den Fersen. In der Gegend von Autheuilen Valois setzten wir uns wieder fest. Hin und her zogen wir in dem waldreichen Gelände, einmal hier, einmal dort Stellung nehmend. Mittags zogen wir zum Dorfe, um unsere Pferde zu tränken. Als Deckung gegen einen etwaigen Überfall war unser Zug Lückstedt weit vorausgeschoben. Wir waren auch nicht ganz fertig, als schon wieder die ersten Granaten gegen das Dorf heulten. Zugleich entwickelte sich feindliche Kavallerie, die aber durch das entschlossene Handeln des Zuges Lückstedt aufgehalten und schließlich zum Zurückgehen gezwungen wurde. Einen neuen Angriff wagte der Feind wie immer zunächst nicht. Wie oft waren wir in den vergangenen Wochen zur Attacke aufmarschiert und angeritten, aber immer war der Feind ausgewichen.

   Am Abend, als der größte Teil der Division schon zur Ruhe übergegangen war, nur die Husarenbrigade stand noch draußen, lief von Patrouillen die Meldung ein, das feindliche Kavallerie mit Artillerie auf dem Anmarsch sei, wahrscheinlich, um uns zu überfallen. Die 4. und unsere 5. Eskadron saßen sofort ab und besetzten einen Höhenrand, der die Anmarschstraße des Feindes beherrschte. In tiefster Stille wurde der ahnungslose Feind erwartet. Seine Spitze ließen wir unbehelligt vorüberziehen. Erst das Gros nahmen wir unter vernichtendes Feuer. Trotzdem versuchte der Feind Widerstand zu leisten. Ich hielt als Gefechtsordonnanz die Verbindung mit den Handpferden aufrecht.

Unser tapferes 7. Jäger-Bataillon hatte sich auf unser Feuer hin entwickelt und griff nun ein. Jetzt war es an den Feind, Fersengeld zu geben. Das Feuer verstummte allmählich ganz und wir konnten in aller Ruhe unsere müden Glieder hinlegen. Als wir am nächsten Morgen den Kampfplatz näher ansahen, stellten wir zu unserer Freude fest, daß der Feind uns ein Geschütz und eine Reihe Munitionswagen zurückgelassen hatte. Auch eine ganze Anzahl Lanzen konnten wir bergen.

  Da eine Rückkehr des Feindes vermutet wurde, gingen wir an der Höhe halbkreisförmig in Stellung, um den Franzosen bei erneutem Angriff einen warmen Empfang zu bereiten. Unsere Hoffnung erfüllte sich aber nicht, anscheinend verlangte der Feind nach keinem zweiten Denkzettel. An diesem Tag erklomm ich die erste Stufe der militärischen Rangstufenleiter, ich wurde Gefreiter.

   Am 9. September marschierten wir nach IvorsVaumont und Crepy. In der Nacht auf den 10. September marschierten wir auf Villers zu. Todmüde wie wir waren, schliefen wir auf den Pferden ein, nur die abwechselnden Trabs munterten uns ein wenig auf. Manche Lanze ging dabei verloren. Auch ich warf meine Lanze einmal im Schlaf weg, erwachte jedoch rechtzeitig um sie wieder aufzunehmen. So mancher löste sich in der Dunkelheit aus der Marschkolonne und duselte im Schlaf an der Schwadron vorbei bis vorn zum Rittmeister, der ihn dann nicht gerade sanft weckte. Am 10. September marschierten wir über Valsery nach Vice-sur-Seine. Während des Marsches bot sich uns im Walde vor Vice-sur-Aisne ein grauenhaftes Bild. Hier lag an der Marschstraße eine vom Feinde überfallene und schließlich verbrannte Autokolonne. Kameraden waren gerade dabei die zwischen allerlei Lebensmitteln umherliegenden gräßlich verbrannten und verkohlten Leichname zu beedingen.

   Am 11. September kamen wir nach Attichy. Unsere Verpflegungsfahrzeuge hatten einige Tage nicht herankommen können. Wir selbst hatten wohl noch zu essen, aber unsere armen Pferde darbten, deshalb schickten wir Requisitionskommandos ab. Bald kamen sie mit Futterage angeschleppt, jeder Reiter hatte einen gefüllten Futtersack vor sich liegen. Unterdessen hatte es begonnen in Strömen zu regnen, naß bis auf die Haut, kamen wir in Nampcel an.  An Quartiere war nicht zu denken, es hieß biwakieren. In einem großen Obstgarten wurden Fouragierleinen gespannt und die Pferde angebunden. Absatteln, um den bedauernswerten Tieren die Lage zu erleichtern, konnten wir nicht, denn wo sollte das Sattelzeug untergebracht werden? Um uns einigermaßen gegen den Regen zu schützen, krochen wir in ein kleines Gartenhäuschen, das mehr einer Scheune ähnlich sah, unter. Verschiedene der Kameraden begaben sich nun in das Dorf, um gewisse Flieger auszuspüren und eßbereit zu machen. Ich wurde wie so oft zum Stabe zwecks Befehlsempfang befohlen. Wachtmeister Wolff hatte jedoch eine Portion für mich aufheben lassen, so daß ich bei meiner Rückkehr auch etwas Warmes in den Magen bekam. Der 12. September fand uns immer noch in Nampcel, ebenso strömte der Regen in gleicher Stärke wie am Vortage hernieder. Am 13. nachmittags rückten wir endlich aus Lombray. Die Dunkelheit war schon hereingebrochen, zitternd vor Nässe und Kälte kauerten wir auf unseren Pferden, die auch die Köpfe tief hängen ließen, als plötzlich vorn Schüsse fielen. Der Weg nach Lombray war uns versperrt. Lautes Hurrageschrei und einsetzendes Schnellfeuer zeigten uns an, daß die Vorhut in ernstem Kampf verwickelt war. Da die tiefe Dunkelheit weitere Bewegungen unmöglich machte, besonders die enge Marschstraße ein Entwickeln verhindert, traten wir den Rückzug an. Die Trompeter gellten ihre Signale in die Nacht hinein, doch war ein Kehrtmachen auf der vollgepfropften Straße nicht möglich. Wir mußten daher unseren Weg seitwärts zur Straße suchen und kehrten dann nach Nampcel zurück.

(Fortsetzung folgt)

* Der nächste Teil ist jedoch nie veröffentlicht worden.

 

 

Westfälisches Jäger-Bataillon 7 in Bückeburg

Schleswig-Holsteinisches Husaren-Regiment 16 in Schleswig

Kgl.Kraftfahr-Kolonne 1 (Teil des Kraftfahr-Bataillons in Lankwitz, das zur Garde zählte)

 

 

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A similar episode from another source, by Arthur Klenke, Unteroffizier, 5. Eskadron, Husaren-Regiment 15

Aus den Rückzugskämpfen zwischen Ourcq und Aisne - Kämpfe an der Oise (1914)

 

(Eine Marne-Erinnerung)

 

 

Laut dem in später Abendstunde des 8. September in La Ferté Milon herausgegebenen Armeebefehl 

(I. Armee) für den 9. September sollte General v.Quast mit seinem IX. Armee-Korps sowie der 6Inf.-Div. Und 4. Kav.-Div. zum umfassenden Angriff in der Richung Nanteuil le Haubouin vorgehen.

   Wir marschierten am 9. September demzufolge durch waldiges Gelände, das größere Täler mit idyllisch gelegenen Dörfern umschließt. Kurz nach Mittag machen wir Rast auf 
einer Waldlichtung
nahe der Wegekreuzung bei Vaumoise. Hier stoßen wir auf die 76er und 31er, die Regimenter unserer benachbarten Garnisonsstädte Hamburg und Altona
Zu später Nachmittagsstunde brechen wir wieder auf. Westwärts geht der Ritt. Zur Dämmerzeit treffen wir in 
Crépy en Valois ein. Lange Stunden halten wir in der Vorstadt. Was liegt vor? Und während wir sinnen, scheint in den großen Wäldern östlich von uns ein gewaltiges Aufleuchten am Nachthimmel hoch. Es ist ein grausig schönes Bild, doch uns ist es ein banges Rätsel. Was mag dort in der Ferne, weit hinter uns, vor sich gehen? Schließlich reiten wir ab, es ist die zweite Morgenstunde. Und was war die Ursache unseres langen Wartens? Ein bedeutsamer Entschluß der Obersten Heeresleitung hielt uns im vollen Vorstoß zurück. Rückmarsch ist befohlen. Die wenigsten von uns wissen es, mir aber verriet es eine Karte. Die plötzliche Befehlsänderung für den 10. September wirft unsere Operation über den Haufen.

Die 4Kav.Div. muß zur Aisne, um die Übergänge von Compiègne bis Soissons zwecks Sicherung des Rückmarsches zur Armee in Besitz zu nehmen. Im Morgengrauen des
10. September
sehen wir im Walde bei VillersCotterêts eine deutsche Kraftwagenkolonne vernichtet am Wege liegen. Unter den verbrannten Trümmern liegen die
 verkohlten Leichen der Begleit-mannschaften. Ein Überfall --- das Rätsel von gestern abend ist gelöst.

   Bald haben wir VillersCottererès erreicht. Kurze Marschpause wird befohlen. Dann geht es über Coeuvres weiter, und schon vormittags treffen wir in Vic sur Aisne ein.  Sogleich werden
die Brücken besetzt und stärkere Posten vorgeschoben. In der Stadt ziehen wir unter. An den Rebstöcken der Häuser hängt der Wein in vollen Trauben, und wir laben uns an den köstlichen Früchten. Am 11. September, morgens, der Nebel liegt in dichten Schwaden über dem breiten Flußtale, löse ich den Unteroffizierposten in einer Feldscheune jenseits der Brücken ab. In tiefem Frieden liegt das weite Vorgelände mit seinen im milden Morgensonnenglanze ruhenden Feldern. Um Mittag rücken wir aus der Stadt ab. Müde ist der Sommertag, Wetterwolken ziehen am Himmel hoch. Unsere Division hat den Auftrag, die rechte Flanke der Armee vorwärts des 
IX. Armee-Korps am Walde von Compiègne zu sichern. Wir folgen dem Laufe der Aisne. Der Marsch geht über VitryAttichy nach Verneuil. Hier ziehen wir bei Gewitterausbruch unter.

   In der Frühe des 12. September brechen wir auf und halten uns in Nampcel bereit. Die Division muß den rechten Armeeflügel in Anlehnung an das IX. Armee-Korps sichern. Der nachdrängende Gegner, Engländer und Franzosen, überschreitet in den Spätnachmittagsstunden die Aisne zwischen Attichy und Soissons mit seinen Vorhuten. 
Immer stärkere Truppenmassen wirft der Gegner am 13. September über die 
Aisne. Wir marschieren den rechten Flügel haltend auf Lombray, stehen aber nachmittags wieder in Nampcel bei strömendem Regen in Gefechtsbereitschaft. Eine Offizierspatrouille(LtnGelenik), die Mannschaften stellt die 5. Eskadron, wird auf Bailly an der Oise, nördlich des Forêt de Laigue, angesetzt um die Brücken zu beobachten, da der Gegner die Umfassung unseres Flügels beabsichtigt. Um MItternacht bricht die Division auf, um den Angriff des

IX. Armee-Korps auf Attichy in der Flanke zu stützen. Bei Moulins sous Touvent stoßen wir unvermutet auf französische Infanterie. Im Schutze der Nacht ziehen wir uns ohne Verluste zurück. Der Gegner selbst gerät in Verwirrung. Vom Süden her ertönen ununterbrochen die Sturmsignale unserer Infanterie, heftiges Gewehrfeuer schallt durch die Nacht. In Nampcel stellen wir uns wieder bereit.

   Zurückgekehrte Husaren, drei nur entkamen, bringen die Nachricht, daß die Offiziers-Patrouille von Franzosen, die im Schutze der Nacht aus dem Hinterhalt hervorbrachen, nach kurzem Widerstande gefangen genommen worden sei.

   Am 14. September reiten wir über Lombray-Cuts-Camelin. Am Nachmittag halten wir bei Le FresneGeneral v. Quast spricht hier sein Lob aus für das gute Verhalten der ihm unterstellten Truppen in den letzten schweren Tagen.

   In der Frühe des 15. September marschieren wir über Manicamp nach Quierzy. Es gilt, die Übergänge über die Oise zu sichern. Langsam drängt der Gegner nach. In später Abendstunde wird ein mit wildem Geheul angreifendes Regiment Spahis, die auf ihren flinken Grauschimmeln einen romantischen Eindruck machen, von Maschinengewehren zusammengeschossen. Der Anblick dieses Bildes war einzig in seiner kriegerischen Darstellung. Hoch bäumten die Pferde im Feuer auf, schreiend wirbelten die Reiter zu Boden, und nur wenige konnten sich in rasender Flucht mit ihren Pferden retten. Einzelne Pferde kamen reiterlos herangestürmt und ließen sich, erschöpft vor Aufregung, greifen.

   Bei Anbruch der Nacht ziehen wir in Manicamp unter. Es ist ein schmutziges Dorf, südlich der Oise.

   Am 16. September rücken wir gegen Besmé vor. In einem Waldstückchen hinter dem Orte haben sich Zuaven festgesetzt. Afrikanische Truppen scheint der Franzose gern an gefährlichen Stellen einzusetzen. Uns macht es aber Spaß, gegen die Schwarzen vorzugehen, haben wir sie doch noch nicht kennen gelernt. Wir springen von den Pferden und greifen an. In einem hitzigen Feuergefecht drängen wir die Farbigen zurück. Husar Engel II fällt bei diesem Angriff. Unsere Infanterie stößt nach und wirft den Gegener in kurzem Bajonettkampf. Wir halten uns in Gefechtsbereitschaft, da der Gegner neue Formationen heranführt.     Arthur Klenke, Uffz., 5. Hus. 15

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